Fog - "10th avenue freakout" (Lex / Warp, 2005)
Fog hat mit Nebel eigentlich gar nichts zu tun, außer vielleicht dass die mehr oder minder verschrobenen Songs seiner neuen Platte einem ein wenig den Kopf, nun ja, vernebeln, insofern als sie einen irgendwie ein wenig bescheuert und entrückt lächeln lassen beim Hören.
Andrew Broder, der Kopf von Fog, war mal Hip Hop DJ mit Punk-Attitude, veröffentlichte zwei Platten auf Ninja Tune, deren Spektrum bei Turntable-ism begann und bei schrägen Folk-/Popsongs mit Gesratche endeten. Dazu gab's Kollabos mit Leuten von Anticon, deren Einfluss man mitunter auch hört. Nun ist er beim HipHop-affinen Warpunterlabel Lex gelandet, hat das Projekt Fog mit Freunden zur Band erweitert und mit 10th Avenue Freakout eine ziemlich schräge Platte gemacht. Entfernt klingendes Schlagzeug, Beatgefrickel plus Indierockinstrumentierung. Ein Refrain mit föhnenden Gitarren bricht plötzlich aus der Ruhe, im nächsten Lied dann Slowcore mit Klavier, Bass und Klarinette. Erinnert von der Weirdness und dem Ideenreichtum her immer wieder an Pavement, in den ruhigen Momenten, in denen er nur von Gitarre begleitet und fast schon fragil singt, auch an z.B. Smog.
Von deprimiert klingender Traurigkeit auf Orgelfläche und Gesang wie eine alte Schallplattenaufnahme durchs Telefon über experimentelle Soundflächen mit jazzigen Saxophon-Eskapaden und gar ein wenig Hip Hop bis hin zu charmant weltumarmenden Bläsersätzen und Glockenspielmelodien, den großartigen Indierockausbruch nicht zu vergessen. Dazu großartige Texte, poetisch wie auch politisch. Und das macht diese Platte zu einer der besten dieses Spätfrühlings, einfallsreich und witzig, traurig und fröhlich. Und mit dem oben erwähnten Nebel im Kopf. Fein.
johannes